In Gedenken an Norbert Blüm (1935 - 2020)

"Jetzt muss ich wieder an die alte Kopierer-Geschichte denken. Die habe ich eher hundert- als zehnmal erzählt. Aus gegebenem Anlass nun aber zum 101. Male:

Es ist das Jahr 2000, ich bin Praktikant im Bundestag und stehe am Kopierer. In der Hand Kopien und auf dem Arm Lara, die vierjährige Tochter meiner Praktikumschefin.

Auf einmal fängt Lara an zu winken und ist quietschvergnügt. Ich werde neugierig, möchte den Grund der Freude sehen, drehe mich um - und sehe Norbert Blüm, wie er am anderen Ende vom Flur der Kleinen zurückwinkt. Er kommt auf uns zu und wir geraten ins Plaudern (vermutlich habe ich mehr gestammelt als gesprochen): „Wie heißt die Kleine denn? Lara? Das ist aber ein schöner Name!"

Der Mann hatte tatsächlich Zeit für uns. Das kommt mir noch heute unglaublich vor: Ein Spitzenpolitiker, 16 Jahre lang Minister, der sich an den Kopierer stellt, spricht und einem Praktikanten zuhört. Dieses nur kurze Treffen hat mich beeindruckt – fast noch mehr als das Autogramm, das ich als Zehnjähriger von ihm in Bochum beim „Starlight Express“ bekommen habe.

„Tue recht und scheue niemanden! Das ist mein altes und mein neues Motto“, hat Norbert Blüm in einem Interview zu seinem 80. Geburtstag verraten. Da kann ich nur sagen: Nachfolger gesucht.

Der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung war zwischen 1987 und 1999 Landesvorsitzender der CDU Nordrhein Westfalen. Möge er in Frieden ruhen."

(Patrick Voßkamp)

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